WARUM ICH MACHE, WAS ICH MACHE - IM GESPRÄCH MIT AGNES NORDENHOLZ
  • WARUM ICH MACHE, WAS ICH MACHE - IM GESPRÄCH MIT AGNES NORDENHOLZ

    Agnes Nordenholz

    Nachhaltige Naturmaterialien und ausgefallene Designs: Das Label Agnes Nordenholz aus Berlin verbindet gekonnt Tradition mit Moderne. Wir sprachen mit der Gründerin und Designerin des Berliner Labels.

    BITTE STELL DICH UND DEIN LABEL AGNES NORDENHOLZ KURZ VOR?
    Ich bin Agnes und Nordenholz ist der Mädchenname meiner Großmutter. Mein Label Agnes Nordenholz steht für Produkte mit Seele. Der Fokus liegt auf außergewöhnlichen Handtaschen. Traditionelle Handwerkskunst, hochwertige Materialien aus Europa, produziert unter Einhaltung ethischer und nachhaltiger Richtlinien.
    Ich bin in Tübingen geboren und aufgewachsen und habe zunächst in Wien das Schneiderhandwerk erlernt, bevor ich an der Universität für angewandte Kunst in Wien bei den Professoren Marc Bohan, Helmut Lang und Jean-Charles de Castelbajac studierte.
    Nach 14 Jahren als Mitbegründerin und Designerin des Labels Hartmann Nordenholz zog ich nach Berlin, um meine Arbeit unter dem Namen AGNES NORDENHOLZ weiterzuführen.
    Die Entscheidung, nach Berlin zu ziehen, war ein `back to the roots ́.
    Einer meiner Urgroßväter war Kaufmann in einer der größten Wollkämmereien der Welt, ein anderer war Ledergerber und später Händler für Lederwaren.

     Agnes Nordenholz

    Agnes, die Gründerin und Designerin von Agnes Nordenholz

    DU BESCHREIBST DEINE KOLLEKTION ALS "SLOW LUXURY". KANNST DU ERKLÄREN, WAS DAS GENAU BEDEUTET?
    Slow Luxury bedeutet für mich Nachhaltigkeit. Ich verwende nur natürliche Materialien wie Wolle, Leinen, Leder und Schafsfell. Die Produktion findet in Europa statt, meist in meinem eigenen Atelier in Berlin. Besondere Stücke der Kollektion werden nur auf Bestellung und komplett von Hand in meinem Atelier gefertigt. Nach dem Motto: Weniger, aber besser!

     Agnes Nordenholz

    Taschen und Mode von Agnes Nordenholz

    WORAUF ACHTEST DU BEI DER WAHL DES LEDERS?
    Leder ist eines der ältesten vom Menschen genutzten Materialien der Welt und zeichnet sich durch unschlagbare Qualitätseigenschaften und Langlebigkeit aus.
    Ich verwende nur Leder von Tieren aus europäischer Aufzucht. Idealerweise handelt es sich um Leder von Tieren aus biologischer Freilandhaltung. Das Leder wird vegetabil mit natürlichen Gerbstoffen wie Olivenblättern gegerbt. Anschließend wird es pigmentgefärbt, wobei die natürliche Oberfläche der Haut mit Falten und Narben sichtbar bleibt.
    Es ist mir wichtig, einen ständigen, persönlichen Kontakt zu den Gerbereien zu haben und mich über Optimierungen wie Abwasseranlagen oder chemiefreie Färbetechniken auszutauschen. Die Bereitschaft der oft sehr alten, traditionellen Familienbetriebe ist groß. Das Handwerk zu erhalten und durch Innovationen nachhaltig und umweltbewusst zu arbeiten.

     Agnes Nordenholz

    Biologische Freilandhaltung: Heidschnucken aus der Lüneburger Heide in Deutschland

    WAS HÄLST DU VON VEGANEN LEDERALTERNATIVEN ODER KUNSTPELZ?
    Ich bin kein Vegetarier und betrachte die Nutztierhaltung und die Verarbeitung von Wolle und Leder als Teil unserer Kultur und Kulturlandschaft.
    Mit der einsetzenden Industrialisierung ist diese Mensch-Tier-Einheit jedoch aus dem Gleichgewicht geraten. Die Massentierhaltung und Gewinnmaximierung stehen ganz oben auf der Liste. Wir haben unseren Fleischkonsum seit den 60er Jahren verdoppelt und die CO2-Emissionen, verursacht durch Tierhaltung und Fütterung mit Soja, sind zu einem massiven Problem geworden. Wir brauchen unbedingt eine rein ökologische und tiergerechte Tierhaltung. Auch hier gilt der Grundsatz: weniger, aber besser.
    Nachhaltige Materialentwicklungen und Forschung im Bio-Textilbereich sind wichtig und begrüßenswert. Kunststoffe kommen für mich jedoch nicht in Frage. Den Begriff veganes Leder finde ich nicht richtig, denn diese Alternativen haben nicht die gleichen Eigenschaften. Das Gleiche gilt für Kunstpelz aus Polyester. Es ist zwar gut, dass die Pelzfarmen abgeschafft werden, aber die Alternative sollte nicht Kunstpelz sein. Die Umweltbilanz von erdölbasiertem Kunstpelz ist leider katastrophal. Tierliebe und Nachhaltigkeit sollten nicht als Deckmantel herhalten.
    Ich würde es lieber sehen, wenn wir die Pelzfarmen abschaffen und trotzdem alle die Pelzjacken früherer Generationen tragen würden. Es gibt sie zu Tausenden in Second-Hand-Läden und Auktionshäusern und niemand traut sich, sie zu tragen. Dabei sind sie garantiert noch sehr haltbar und biologisch abbaubar.

    GIBT ES ETWAS, DAS DU ANDERS MACHEN MÖCHTEST ALS DIE GENERATIONEN VOR DIR?
    Wenn ich an meine Großmutter und meine Mutter denke, dann haben sie vieles richtig gemacht. Sie haben sehr auf Qualität geachtet und alles repariert. Handarbeit und Handwerkskunst wurden geschätzt. In meiner Familie ist es erst meine Generation, die mit Fast Fashion aufgewachsen ist und zunehmend den Bezug zur Qualität verloren hat.
    Mode wird kaum noch mit Kultur in Verbindung gebracht, perfekte, sterile Massenware wird bevorzugt, sie gilt als Symbol der Modernität. Mode zum Wegwerfprodukt geworden und das Shoppen zum reinen Zeitvertreib.
    Die angebliche Demokratisierung der Mode durch Fast Fashion hat nicht dazu geführt, dass wir besser aussehen, im Gegenteil. Zunehmend geht der individuelle Stil verloren. Ich wünsche mir, dass Kleidung wieder Teil unserer Identität und Kultur wird, dass Individualität wichtiger ist als Trends. Dass unsere Gesellschaft weniger profitorientiert handelt. Wachstum sollte nachhaltig und wertvoll sein, und es sollte auf ethischen Maximen beruhen.

    Handbags

    Die Herstellung der Handtaschen im Atelier in Berlin

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